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Tag 14 von 30 · Woche 2 · Gefühle

Einen Wortschatz für Gefühle aufbauen

7 Min. Lesezeit

Fragen Sie die meisten Kinder, wie es ihnen geht, und Sie bekommen eine von drei Antworten: gut, schlecht oder passt schon. Eine zugeknallte Tür landet in der Schublade "wütend", egal ob eigentlich Eifersucht, Demütigung oder schlichte Erschöpfung dahintersteckt. Das ist kein Charakterfehler; es ist eine Lücke im Wortschatz. Ein Kind mit nur einer Handvoll Wörter für das Wetter in seinem Inneren muss den Rest mit dem Körper sagen: schreien, schmollen, hauen. Worte geben ihm einen anderen Ausweg.

Warum es wichtig ist

Psychologen sprechen von "emotionaler Granularität", der Fähigkeit, Gefühle fein zu unterscheiden: den Unterschied zwischen nervös und angstvoll zu kennen, zwischen genervt und verraten. Forschung von Lisa Feldman Barrett, Todd Kashdan und Kollegen legt nahe, dass Menschen, die diese Unterscheidungen treffen, besser mit Stress umgehen. Sie schlagen seltener um sich, wenn sie aufgewühlt sind, und wählen eher eine Reaktion, die wirklich zum Problem passt. Wenn Sie wissen, dass Sie einsam sind und nicht nur "schlecht drauf", suchen Sie eine Freundin auf, statt Streit anzufangen.

Auch das Benennen selbst wirkt beruhigend. Bildgebungsstudien unter Leitung von Matthew Lieberman zeigten, dass schon das In-Worte-Fassen eines Gefühls die Aktivität in der Amygdala verringerte, dem Teil des Gehirns, der Alarm schlägt. Mit Wörtern, die Kinder nicht haben, können sie das nicht tun. Jedes genaue Wort, das Sie ihnen geben, ist ein weiteres Werkzeug, nach dem sie greifen können, wenn der Alarm losgeht.

Ein Gefühlswortschatz wird genauso gelernt wie jeder andere Wortschatz: indem man Wörter im Zusammenhang hört, immer wieder, von Menschen, die einem wichtig sind. John Gottmans Forschung zum "Emotionscoaching" zeigte, dass Kinder, deren Eltern Gefühle bemerkten und benannten, statt sie abzutun, später bessere Freundschaften und weniger Verhaltensprobleme hatten. Sie brauchen keinen Lehrplan, nur etwas mehr Gespräch über Gefühle, etwas genauer.

Probieren Sie es heute aus

  1. Bieten Sie ein besseres Wort an, keine Korrektur. Wenn Ihr Kind sagt "Ich bin sauer", müssen Sie nicht widersprechen. Bieten Sie stattdessen Möglichkeiten an: "Sauer, weil jemand unfair war, oder sauer, weil du enttäuscht bist, dass es nicht geklappt hat?" Lassen Sie es wählen. Manchmal sucht es sich ein Wort aus, das Sie gar nicht angeboten haben, und das ist noch besser.
  2. Erzählen Sie von Ihren eigenen Gefühlen. Kinder lernen am meisten, wenn sie hören, wie Erwachsene Gefühlswörter für sich selbst verwenden. "Ich bin gerade total gestresst, weil wir spät dran sind und ich die Schlüssel nicht finde." "Ich bin erleichtert, dass Omas Flugzeug sicher gelandet ist." Halten Sie es kurz und ruhig.
  3. Nutzen Sie Geschichten als Gefühlslabor. Wenn Sie gemeinsam ein Buch lesen oder eine Sendung schauen, halten Sie inne und überlegen Sie laut, wie es einer Figur geht: "Was meinst du, wie er sich gefühlt hat, als ihn keiner ausgewählt hat? Ausgeschlossen? Peinlich berührt? Beides?" Über die Gefühle einer Figur zu sprechen ist sicherer als über die eigenen, besonders für ältere Kinder.
  4. Erweitern Sie die Liste nach Stärke. Viele Gefühle gibt es in verschiedenen Größen. Gereizt, frustriert, wütend. Unruhig, besorgt, panisch. Zufrieden, glücklich, überglücklich. Fragen Sie einmal: "Ist das eher ein gereiztes Wütend oder ein rasendes?" Zu merken, dass Gefühle an- und abschwellen, macht sie weniger beängstigend.
  5. Lassen Sie gemischte Gefühle zu. "Du kannst dich gleichzeitig auf die neue Schule freuen und traurig sein, dass du deine Freunde verlässt." Viele Kinder glauben, sie müssten sich für ein Gefühl entscheiden; die Mischung zu benennen ist eine Erleichterung.
  6. Machen Sie eine abendliche Gewohnheit daraus. Beim Zubettgehen oder Abendessen erzählt jeder ein Gefühl vom Tag und was es ausgelöst hat. Die Eltern fangen an, und nicht immer mit den ordentlichen Gefühlen.

So kann es klingen

Der achtjährige Moritz steigt nach einem Kindergeburtstag ins Auto seines Opas und tritt gegen die Rückenlehne. "Das war der schlimmste Geburtstag aller Zeiten. Ich bin so sauer." Sein Opa, der ihn jeden Samstag abholt, sagt ihm nicht, er solle nicht so albern sein. Er fährt langsam los und sagt: "Sauer, hm. Sauer, weil jemand geschummelt hat, oder sauer, weil etwas passiert ist, das wehgetan hat?"

Moritz ist einen Moment still. "Alle sind für die Staffel ausgewählt worden, nur ich nicht." "Ach so", sagt sein Opa. "Das klingt nach ausgeschlossen. Vielleicht auch ein bisschen peinlich, wo doch alle zugeschaut haben." Moritz starrt aus dem Fenster. "Peinlich", sagt er. "Und ausgeschlossen. Vor allem ausgeschlossen." Sein Opa nickt. "Das kenne ich. Das schlimmste Gefühl auf einer Feier." Moritz hört auf, gegen den Sitz zu treten.

Gelöst wurde nichts. Die Staffel bleibt die Staffel. Aber Moritz hat jetzt einen genaueren Namen für das, was passiert ist, und über "ausgeschlossen" lässt sich viel leichter reden als über "schlimmster Geburtstag aller Zeiten". Als sie zu Hause ankommen, fragt er, ob er nächste Woche einen der Jungen einladen darf. Das richtige Wort hat ihm den Weg zur richtigen Lösung gezeigt.

Nach Alter

Wenn es schwerfällt

"Mein Kind sagt nur 'Weiß nicht'." Oft weiß es das tatsächlich noch nicht, und genau deshalb ist das hier wichtig. Stellen Sie statt offener Fragen zwei oder drei Möglichkeiten zur Wahl. Auswählen ist viel leichter, als aus dem Nichts ein Wort zu finden, und mit der Zeit wird aus dem Auswählen ein Benennen.

"Das fühlt sich an, als würde ich alles zerreden." Sie halten keine Therapiesitzung ab. Ein paar genaue Wörter, ganz natürlich in Alltagsmomente eingestreut, reichen. Es klingt wie ein ganz normales Gespräch, nur mit besseren Wörtern darin.

"Ich bin aufgewachsen, ohne über Gefühle zu sprechen, und mir fehlen die Worte auch." Vielen Erwachsenen geht es genauso, und Sie lernen gemeinsam mit Ihrem Kind. Hängen Sie für sich selbst eine kurze Liste mit Gefühlswörtern an den Kühlschrank. Ihrem Kind tut es gut zu sehen, wie auch Sie dazulernen.

Häufige Stolperfallen

In einem Satz

Jedes genaue Gefühlswort, das Sie Ihrem Kind geben, ist ein Werkzeug, mit dem es sich beruhigen, um Hilfe bitten und die Menschen um sich herum verstehen kann.

Quellen

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder psychologische Beratung. Wenn Sie sich Sorgen um Ihr Kind machen, wenden Sie sich an eine Fachperson.